Buchholz 2025plus – Der richtige Weg?

Ausgangssituation
Der Buchholzer Wohnungsmarkt ist angespannt. Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das Angebot. In Folge dieses Nachfrageüberhangs sind sowohl die Mieten als auch die Im­mobilienpreise in den letzten Jahren stark gestiegen. So stark, dass Buchholz eine Mietpreis­bremse auferlegt wurde.

Aktuelle Bevölkerungsprognosen sprechen von einem anhaltenden Nachfragedruck und se­hen den Bedarf insbesondere in bezahlbaren kleineren Wohneinheiten für Singles (jüngere und ältere Menschen), für Alleinerziehende mit Kindern und für kinderlose Ehepaare. Die N-Bank sieht ein Wachstumspotenzial für Buchholz bei mehr als 7.000 Einwohnern bis 2030.

Stadtentwicklungsprogramm „Buchholz 2025plus
Diese Entwicklung hatte die Stadtverwaltung zum Anlass genommen, mit dem Stadtent­wicklungsprogramm „Buchholz 2025plus“ eine neue Wohnbauentwicklung mit bis zu 2.000 Wohneinheiten im Osten der Stadt vorzuschlagen. Im Zusammenhang mit dieser Wohnbauentwicklung sieht die Stadt­verwaltung den Bedarf einer verkehrlichen Erschließung des neuen Wohngebiets und einer generellen Entlastung des Kfz-Verkehrs durch Straßenneubau inkl. einer östlichen Umge­hungsstraße.

Buchholzer Bürgerinnen und Bürger sowie die Mitglieder des Rates der Stadt Buchholz wa­ren aufgefordert, über Ausmaß, Umsetzungsvarianten und -schwerpunkte zu diskutie­ren. So fand am 04.11.2017 eine Bürgerwerkstatt statt, zu der ausgewählte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter verschiedener Verbände wie z. B. BUND, NABU, Greenpeace, VCD etc. und die Bürgerinitiativen BIO und BAM eingeladen wurden. Am 25.11.2017 waren die Mit­glieder des Stadtrates zu einer Ratswerkstatt zusammengekommen.

In diesen Werkstätten konnte und sollte nicht mehr über das „Ob“ einer Wohnbauentwick­lung im Osten und einer Ortsumgehung diskutiert werden, sondern nur noch über das „Wie“. Nach der Vorstellung der Planung zum Technologie- und Innovationspark im An­schluss an das Gewerbegebiet II ist dieses nun die zweite Stadtentwicklungsplanung von be­sonderer Bedeutung, bei der die Stadtverwaltung keine grundsätzliche politische Diskussion mehr zulassen will. Dieses kritisieren wir aufs Schärfste.

Wohnbauentwicklung im Osten der Stadt
Anstelle einer Wohnbauentwicklung im Osten der Stadt plädieren wir für eine Entwicklung der Rütgers-Fläche.

Das Schaubild zeigt die Flächen der Wohnungsbauentwicklung im Osten, für die bei der Ratswerkstatt alle Ratsfraktionen mit Ausnahme der Buchholzer Liste votiert haben: 

In den bestehenden (Wald-)Wohngebieten besteht bis 2030 noch ein Nachverdichtungspo­tenzial von rund 500 Wohneinheiten und weitere 525 Wohneinheiten werden derzeit an der Schaftrift, an der Bremer Straße und im Canteleu-Quartier entwickelt. Das gerade abge­schlossene Projekt zur möglichen Innenentwicklung zeigt zudem weiteres Potenzial zur Schaffung von Wohneinheiten im Innenstadtbereich auf. Die neue kommunale Wohnungs­baugesellschaft plant ebenfalls, noch rd. 150 Wohneinheiten in Buchholz zu realisieren. Dadurch werden bereits rd. 1.200 neue Wohneinheiten entstehen. Unseres Erachtens ist dieses Potenzial vorrangig vor einer Ausweisung eines neuen Wohngebiets zu aktivieren.

Der Bedarf an bezahlbaren Wohnraum sollte darüber hinaus auf der innenstadtnahen Rütgers-Fläche erfüllt werden. Bisher scheiterte eine Entwicklung dieses Geländes an den schwer prognostizierbaren Kosten für die Sanierung der mit Teeröl verseuchten Fläche. Der Landkreis Harburg erstellt derzeit in Abstimmung mit dem Eigentümer EVONIK ein Sanie­rungskonzept, das in wenigen Wochen vorliegen soll. Dieses Konzept soll potenziellen Investo­ren Sicherheit über die nötige Sanierung und die damit verbundenen Kosten geben. Somit wird es in absehbarer Zeit möglich sein, diese Fläche zu erschließen.

Die Rütgers-Fläche ist unseres Erachtens deutlich besser für eine Wohnbauentwicklung geeignet als die Flächen im Osten der Stadt. Die Fläche ist so innenstadtnah, dass die Nahversorgung (Fußgängerzone) fußläufig erreichbar wäre. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer alternden Bevölkerung ist dieses ein wichtiger Aspekt gerade für ältere Menschen, die kurze Wege bevorzugen. Zu­dem ist sowohl der Bahnhof als auch der neue ZOB (nach Verlegung) fußläufig erreichbar. Dieses verhindert unnötigen Kfz-Verkehr und macht die Planung einer neuen defizitären Buslinie in den Osten der Stadt unnötig. Vor diesem Hintergrund sind auch neue Siedlungsformen wie autofreies/-armes Wohnen, Mehrgenerationenwohnen, Wohn- und Baugruppen bzw. -gemeinschaf­ten umsetzbar. Der Schwerpunkt der Bebauung sollte auf Geschosswohnungs­bau mit kleineren, bezahlbaren Wohneinheiten liegen. Dann wären 500 bis 1.000 Wohnein­heiten allein auf der Rütgers-Fläche möglich. Diese können zusammen mit den zuvor genannten Ent­wicklungspotenzialen den Bedarf der nächsten Jahre decken. Eine Entwicklung im Osten der Stadt sollte erst dann erfolgen, wenn sich zukünftig weiterer Bedarf ergibt, der die Notwendigkeit einer weiteren Wohnbauentwicklung nach sich zieht.

Um die vorhandene Infrastruktur nicht zu überfordern und sukzessive an eine höhere Bevölkerungszahl anpassen zu können, plädieren wir für ein sehr moderates Wachstum. Vor einer Entscheidung für eine Wohnbauentwicklung sind für uns vorab zwingend deren Auswirkungen zu analysieren. Bei einem Umfang von bis zu 2.000 neuen Wohneinheiten mit rund 4.000 Neubürgern wird diese Entwicklung beispielsweise zwangsläufig Auswirkungen auf die bestehende, an diese Entwicklung anzupassende Infrastruktur haben, z. B. Schulen, Kitas, Sport, Kultur, Wirtschaft, Verkehr, Feuerwehr, Verwaltung etc. Das verdeutlichen folgende beispielhafte Fragestellungen:

  • Muss man auf einen Arzttermin zukünftig noch länger warten?
  • Bekommen Familien zukünftig noch sicher einen Kita-Platz, wenn sie ihn brauchen?
  • Wird das Empore-Ticket teurer?
  • Wo sollen die Neubürger arbeiten? In Buchholz, in Hamburg, im Umland? Folgt dann auch noch ein neues Gewerbegebiet?
  • Brauchen wir ein neues Rathaus, weil auch die Stadtverwaltung mit der steigenden Bevölkerungszahl mitwachsen wird?
  • Ist der Schutz durch unsere Feuerwehren noch gewährleistet?
  • Zu Stoßzeiten ist der Metronom nach Hamburg jetzt schon voll. Wie wird das sein, wenn Buchholz wächst?
  • Bekommt man für sein Kind dann überhaupt noch einen Platz beim Schwimmunterricht?
  • Wie soll das alles finanziert werden? Die Kassen sind doch jetzt schon leer, obwohl die Einnahmen rekordverdächtig sprudeln.

Es stellt sich daher auch die Frage, welches Wachstum in welchem Tempo wirtschaft­lich sinnvoll bzw. tragbar ist? Zudem gehen aktuelle Bevölkerungsprognosen in der Regel nicht über 2030 hinaus. Der demografische Effekt einer abnehmenden Bevölkerungs­zahl kommt aber wahrscheinlich erst Mitte dieses Jahrhunderts so richtig zum Tragen. Fra­gen über Fragen, die alle bislang unbeantwortet blieben und die unseres Erachtens beant­wortet werden müssen, bevor über eine für Buchholz so bedeutende städtebauliche Entwicklung zu entscheiden ist. Darauf werden wir in den politischen Beratungen der nächsten Monate drängen.

Ortsumgehung „Ostring“
Die Stadtverwaltung versucht, unter dem Deckmantel der Wohnbauentwicklung im Osten der Stadt erneut den gescheiterten „Ostring“ auf den Tisch zu bringen. Wir lehnen einen „Ostring“ – in welcher Form auch immer – klar ab. Er ist verkehrspolitisch nicht zielführend, ökologisch unvertretbar und vor allem auch haushaltspolitisch unseriös, nämlich nicht finan­zierbar.

Das Schaubild zeigt die Trassenvariante, für die bei der Ratswerkstatt alle Ratsfraktionen mit Ausnahme der Buchholzer Liste votiert haben:  

Der die Bundesregierung beratende Sachverständigenrat für Umweltfragen (Umweltrat) hatte jüngst in einem Sondergutachten darauf hingewiesen, dass der Verkehrssektor bisher keinen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen geleistet hat. Der Umweltrat fordert daher über eine schnelle Verkehrswende, dass u.a. der Verkehr ins­gesamt reduziert wird. Aktuell wurde zudem bekannt, dass Buchholz die EU-Grenzwerte der Luftverschmutzung (Stickoxide und Feinstaub) nicht einhält. Der Klimawandel mach also vor Buchholz nicht halt.

Dadurch dass in Buchholz 69% aller Kfz-Verkehre innerhalb von Buchholz stattfinden, ist die Entlastungswirkung einer Umgehungsstraße, die überwiegend Durchgangsverkehr aufneh­men könnte, stark anzuzweifeln. Nachweislich ziehen neue Straßen neuen Verkehr nach sich, so dass eine Umgehungsstraße nicht nur kontraproduktiv hinsichtlich einer Entlastung des innerstädtischen Kfz-Verkehrs, sondern auch auf unsere Klimaschutzziele wirkt. Verdeut­licht man sich zudem, dass etwa 50% aller Kfz-Wege in Buchholz kürzer als fünf Kilome­ter, 36% kürzer als drei Kilometer und sogar 20% kürzer als zwei Kilometer sind, ist eine Umgehungsstraße verkehrspolitisch der völlig falsche Ansatz. 

Wir fordern daher eine deutlich stärkere Förderung des Radverkehrs, des ÖPNV, des CarSha­ring-Gedankens (nicht nur über professionelle CarSharing-Angebote, sondern auch über eine Verbesserung der Mitfahrangebote) und der E-Mobilität für den notwendigerweise verbleiben­den Kfz-Verkehr. Investitionen in eine Verkehrswende sind deutlich sinnvoller, als in teure Straßenbaulösungen der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

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